

Schauspielerisch durch 150 Jahre Sozialdemokratie
EISENBERG: Beim Neujahrsempfang der SPD zeigt das Ensemble „EsPeDe 150“ die gelungene Revue „Für uns soll’s rote Rosen regnen“
Einen Neujahrsempfang der besonderen Art präsentierte die SPD am Freitag im Hotel und Gasthaus „Zum Engel“, wo der Eisenberger Ortsverein vor fast genau 111 Jahren gegründet wurde. Unter dem Titel „Für uns soll’s rote Rosen regnen“ bot das Ensemble „EsPeDe 150“ aus sechs Profi- und erfahrenen Laienschauspielern aus dem Donnersbergkreis eine fast einstündige sehenswerte Revue, die unterm Strich mehr Aussagekraft hatte als manche langatmigen Redebeiträge.
Am häuslichen Küchentisch vereint, unternahmen die sechs Darsteller mit teilweise ernsten und tiefschürfend kritischen, aber auch heiteren Dialogen eine historische Reise durch die 150-jährige Parteigeschichte der SPD. Mit historischen Zitaten verwiesen sie auf manche Ereignisse, die in der deutschen Geschichte eine bedeutende Rolle gespielt haben. Marksteine der Arbeiterbewegung mit ihren marxistischen Wurzeln, Errungenschaften der Partei vom Frauenwahlrecht und der vergebliche Kampf gegen den Nationalsozialismus wurden so in Erinnerung gerufen.Und nicht nur die jüngeren Mitglieder der Darstellerfamilie, sondern auch manche Zuschauer haben wohl von Otto Wels und seiner von ihm gehaltenen letzten freie Rede im Reichstag noch nie was gehört. Ansprechend und klar akzentuiert zitierte Achim Ziegele die wesentlichen Passagen aus dieser Rede des SPD-Fraktionsvorsitzenden vom März 1933 gegen Hitlers Ermächtigungsgesetz, das die anschließende Diktatur und Terrorherrschaft formal legalisierte. Mit teils versteckter aber auch offener Kritik an den jüngsten und aktuellen Vorgängen in der Partei sparten die Texte ebenfalls nicht. Müntefering, Grundsicherung, Vermögenssteuer und die Agenda 2010 der „durchgeschröderten SPD“ waren ebenso Themen wie der Mut Willy Brandts zur Aussöhnung, die er trotz heftiger Opposition mit seiner Ostpolitik erreicht hat. Zur musikalischen Auflockerung, aber nicht weniger kritisch, trugen die an das Theater Bertolt Brechts erinnernde Zwischensongs bei. Ob mit „raus aus den Männern aus dem Reichstag, wir machen daraus ein Frauenhaus“, das an die politische Frauenbewegung erinnerte, oder die kritisch vorgetragene Melodie „Ach SPD, ich hab so oft und vergeblich gehofft, dass du wieder rot wirst“ bis zur Feststellung: „Du lässt dich gehen und lässt die Kleinen stehen“ stellten die Lieder die eigentlichen sozialdemokratischen Grundgedanken und Ideen in den Mittelpunkt.
Aber auch Schmunzeln rief der satirische ironische Gesangsbeitrag über „verweichlichte Männer“ hervor, in dem sich die Sängerin einen urwüchsigen „Neandertaler, um die Hüften schlank wie ein Leopard“ wünschte und versprach, ihm „jeden Dienstag seinen Lendenschurz zu waschen“. Mit reichlich Beifall belohnten die zahlreichen Zuschauer die Vorstellung, die mit dem Lied von Hildegard Knef „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ endete und nach der jeder Mitwirkende auch eine rote Rose überreicht bekam. Jürgen Mangold, aus dessen Feder die Texte stammen, und Jolanthe Seidel-Zimmermann, die für die Inszenierung verantwortlich zeichnete, und dem Ensemble ist es rundum gelungen, eine mit Kritik gewürzte durchaus amüsante Lehrstunde über die SPD von ihren Wurzeln in der Arbeiterbewegung bis zum heutigen Tag zu präsentieren. Nicht zu vergessen die musikalische Begleitung am Klavier durch Valery Rüb und die Organisation durch Tristan Werner, der auch als Mitspieler agierte. Begeistert über die Aufführung äußerten sich auch Staatsministerin Margit Conrad, Bundestagsabgeordneter Gustav Herzog und der designierte Generalsekretär der rheinland-pfälzischen SPD, Jens Guth aus Worms, der das Ensemble sofort für die nächste größere Parteiveranstaltung engagierte.
Als langjährige Jubilare ehrte Ortsvereinsvorsitzender Reinhard Wohnsiedler Dieter Holzheimer, der seit 55 Jahren Parteimitglied ist. Holzheimer war unter anderem in den Ortsvereins- und Gemeindeverbandsgremien aktiv und gehörte lange Jahre dem Stadt- und VG-Rat an und amtierte als VG-Beigeordneter. 50 Jahre Parteimitglied ist Manfred Joos, der ebenfalls in den Parteigremien mitarbeitete und als Fraktionsvorsitzender im Stadtrat und Beigeordneter der Stadt die Kommunalpolitik mitprägte und auch als Vorsitzender der AG 60 plus vorstand. (hsc)
Die GeehrtenDieter Holzheimer (55 Jahre Mitgliedschaft), Manfred Joos (50), Klaus Wohnsiedler (40), Renaldo Trum, Walter Fischer, Brigitte Schreiner (alle 30), Hans-Jürgen Furchtmann, Armin Schanz (beide 25).
Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Unterhaardter Rundschau
Ausgabe: Nr.6
Datum: Dienstag, den 08. Januar 2013
Seite: Nr.15
"Deep-Link"-Referenznummer: '91_6855202'
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