

„Neue Akzente“ erwartet
EISENBERG: Wie Kommunalpolitiker Kurt Becks Amtszeit als Ministerpräsident beurteilen und was sie von Malu Dreyer erwarten
Heute ist es soweit: Nach 18 Jahren als Landesvater gibt Kurt Beck das Amt des Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz auf. Für manche ein überfälliger Schritt, mit Hoffnung wird in die Zukunft geblickt, für andere ein Tag, der nachdenklich stimmt oder der Erwartungen an die designierte Ministerpräsidentin Malu Dreyer weckt. Die RHEINPFALZ hat führende Kommunalpolitiker der Verbandsgemeinde Eisenberg befragt, welche Erwartungen sie an den Machtwechsel in Mainz haben und wie sie Kurt Becks Amtszeit beurteilen.„Da ich erst seit zwei Jahren Bürgermeister bin, hatte ich bislang wenig Begegnungen mit Kurt Beck“, sagt der Bürgermeister der Verbandsgemeinde, Sozialdemokrat Bernd Frey. „Ich schätze ihn aber als Menschen und möchte betonen, dass er in seiner Amtszeit viel für Rheinland-Pfalz bewegt hat. Der Wechsel kommt für mich zum richtigen Zeitpunkt und ich freue mich, dass das Amt an eine Frau übergeht.“ Sicher setze er Hoffnungen in Malu Dreyer, die ihm bislang allerdings persönlich noch nicht bekannt sei. „Ich freue mich auf das erste Treffen, glaube aber nicht, dass sich vor der nächsten Landtagswahl noch viel bewegen wird. Erst wenn klar ist, wer in der Zukunft wie mit wem regiert, werden sich Änderungen erreichen lassen“, so Frey.Naturgemäß etwas anders bewertet CDU-Gemeindeverbandsvorsitzender Sven Hoffmann das Ende der Amtszeit von Kurt Beck. „Er hat den Zenit längst überschritten. Vieles, was er in der letzten Zeit angestrengt hat, war nur noch darauf ausgerichtet, seine Macht zu erhalten, gleich welche politischen Probleme, beispielsweise am Nürburgring, auftraten. Der Wechsel war überfällig“, findet Hoffmann, der Beck früher als Stellvertretender Landesgeschäftsführer der CDU häufig vor allem zu Mittagszeit im Landtag begegnet ist. „Anfänglich war Beck stets recht freundlich, später hat sich das dann geändert“, berichtet Hoffmann. Er hegt die Hoffnung, dass der „konfrontative Stil“ von Beck im Land nicht länger fortgesetzt wird. „Ich habe Malu Dreyer bislang als Mensch erlebt, die den Konsens und Ausgleich sucht. Deshalb hoffe ich, dass gemeinsam mit unserer Fraktion im Landtag Politik für das Land gemacht werden kann, und Dreyer es schafft, sich aus dem Fahrwasser von Beck zu befreien.“
Auch der Grüne Ernst Groskurt setzt Hoffnungen in die neue Regierungschefin in Mainz: „Mit einer Doppelspitze aus Frauen im Land werden sich hoffentlich auch politische Änderungen ergeben und noch stärker grüne Politik das Tagegeschehen bestimmen.“ Zu Kurt Beck hat der Kommunalpolitiker der Grünen wenig direkten Bezug. „Ich habe ihn stets nur bei Wahlkampfterminen und öffentlichen Veranstaltungen erlebt, dann meist sehr volksnah, direkte persönliche Kontakte gab es nicht.“ Aber die Kritik an der Person Beck, vor allem auch während des letzten Wahlkampfes, sei seitens der Grünen berechtigt gewesen, vor allem in Bezug auf die Geldfriedhöfe, die Beck im Land hinterlassen habe, so Groskurt, der den Nürburgring an erster Stelle nennt.
Einer der fast genauso lange im Amt ist, wie Beck es bis heute war, ist Adolf Kauth, Eisenbergs Stadtbürgermeister und bis vor kurzem Vorsitzender der Freien Wähler. Er hat den Ministerpräsidenten am 8. Oktober 1996 erstmals persönlich erlebt. Kauth hatte damals über den Bund der Selbstständigen Beck nach Eisenberg eingeladen, der Ministerpräsident kam und trug sich ins Goldene Buch ein, deshalb ließ sich der Termin leicht nachvollziehen. „Er sprach damals über die wirtschaftliche Entwicklung in Rheinland-Pfalz, das war ein Erlebnis“, erinnert sich Kauth zurück. 2005 kam Beck dann mit seinem ganzen Kabinett nach Eisenberg und an den Eiswoog, ebenfalls ein Termin, an den der Stadtbürgermeister gerne zurückdenkt. „In all den Jahren habe ich immer wieder mit den Anliegen der Stadt Eisenberg bei Beck Gehör gefunden“, sagt Kauth und erinnert an die Verhandlungen, die Eisenberg letztlich zum kooperierenden Mittelzentrum gemacht haben. „Es gab relativ oft Termine.“ Von Malu Dreyer erwartet Kauth einen ganz anderen politischen Stil, zumal sie die erste Frau an der Spitze des Landes sein wird. Die neue Ministerpräsidentin werde zum Jubiläum 1250 Jahre Eisenberg eingeladen, kündigt Kauth an und hofft auf eine gleich gute Zusammenarbeit zum Wohl seiner Heimatstadt.
Eine Trendwende erwartet der Eisenberger SPD-Vorsitzende Reinhard Wohnsiedler nicht von der neuen Ministerpräsidentin, aber „einige neue Akzente“ werde sie wohl setzen. Kennengelernt hat der Beigeordnete Dreyer noch nicht persönlich, begegnet ist er ihr bislang nur aus der Ferne bei Parteitagen und Veranstaltungen. Wohnsiedler hätte Kurt Beck gerne noch zwei Jahre Regierungszeit bis zum Ende der Legislaturperiode „gegönnt“. „Mich verbinden nur positive Erinnerungen mit ihm. 1994 war er erstmals bei der SPD in Eisenberg zu Gast, später kam er immer wieder zurück, beispielsweise zur 100-Jahr-Feier des Ortsvereins oder beim Pfingsttreffen der SPD, das schon bei uns stattfand“, sagt Wohnsiedler, der auch an die Unterstützung von Beck bei den zurückliegenden Wahlkämpfen erinnert. (jös)
Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Unterhaardter Rundschau
Ausgabe: Nr.13
Datum: Mittwoch, den 16. Januar 2013
Seite: Nr.17
"Deep-Link"-Referenznummer: '91_7081403'
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